Fragen an die Band "Keller12"
gefragt im April 2010 von www.cultureload.de
1. Wie ist "Keller12" entstanden und wie lange gibt es euch als Band schon?
K12:
Oje, Jahreszahlen... Das muss wohl ungefähr 2002
gewesen sein, als wir uns nach vielen Jahren ohne miteinander Kontakt gehabt zu
haben, zufällig auf einer Party wieder gesehen haben. Da alle fanden, dass man
sich ja jetzt wieder öfter treffen könnte, tat man dies dann auch in einem
Proberaum, zu dem unser Keyboarder Zugang hatte. Dort lag es natürlich auch
nahe, die Musikinstrumente in die Hand zu nehmen.
2. Eurer Bandinfo entnehme ich, dass Ihr euch
schon seit Eurer Kindheit kennt. Spielte die Musik schon in den Anfangstagen
Eurer Freundschaft eine wichtige Rolle? Wenn ja, welche? Oder hat sich die
Bedeutung der Musik für Eure Freundschaft erst im Laufe der Zeit entwickelt?
K12:
Naja, ein paar von uns kennen sich ja schon aus dem
Sandkasten. Damals hat die Musik sicher keine Rolle gespielt. Mittlerweile hat
sich die Band zu einer Institution entwickelt, die Kumpels regelmäßig zu
treffen. (Sonst würde man sich viel seltener sehen.)
3. Seid Ihr vor der Gründung von "Keller12" schon einmal in dieser oder
ähnlicher Kombination als Band aktiv gewesen?
K12:
Es gab während der Schulzeit einige Projekte, bei denen
wir schon zusammen Musik gemacht haben, z.B. die Bands "Red Rooster" und "Pasty
Noise". Joe und Martin haben später außerdem noch im Projekt "Vroom" zusammen gespielt.
4. Wie alt seid Ihr und seit wann spielt Ihr eure Instrumente?
K12:
Unser Alter ist schwer zu bestimmen, da es stetig
zunimmt, und das hoffentlich noch lange. Auf unsere Sängerin trifft das natürlich
nicht zu, die bleibt "für immer jung" :o)
IB:
Ich singe schon seit ich mich erinnern kann. Mit 5 habe
ich meiner Mama stolz eine Opernversion von "Maikäfer flieg" geträllert, die
sie schrecklich fand. Von da an hab ich der klassischen Musik den Rücken
gekehrt und mich auf die Rock und Pop Seite geschlagen.
ML:
Ich hab zum ersten Mal mit 5 an einer Heimorgel
rumgedrückt. Mit 12 hab ich dann 5 Jahre Unterricht "genossen".
MH:
Ich hab Probleme mit Jahreszahlen, hab aber recht früh
mit Akkordeon angefangen. Bass spiele ich seit ich 14 bin und später habe ich
dann zur Gitarre gegriffen.
GS:
Alt genug! Und ich habe schon als Säugling auf Töpfe
getrommelt.
5. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
K12:
Für einen Auftritt haben wir es mal so probiert:
"Verstört durch ihre pubertäre Punk-Phase und geprägt durch den Sound der 80er
verarbeitet die Band auch das mit wachsendem Alter einhergehende
Harmoniebedürfnis in ihrem deutschsprachigen Musikmix. Das laute
Schlagzeug ist dem ohrenschonenden E-Drumset gewichen, die E-Gitarre kommt ohne
Marshalltürme aus, doch eins ist geblieben: Die Kombination aus Power, viel
Witz und Spaß an der Musik!"
MH:
Elektro-Rock Punk-Pop Musik mit deutschen Texten.
ML:
Deutsche Texte, elektronische Klänge, kombiniert mit
rockigen Saiteninstrumenten, "punkig" vorgetragen, verpackt in glatte
Pop-Arrangements. Aber manchmal halt auch nicht!
6. Welche Bands oder Künstler haben Einfluss auf eure Musik?
K12:
Bewusst niemand, unbewusst wahrscheinlich alle, die wir
je in unserem Leben auch nur einmal aus Versehen gehört haben. Am ehesten
könnte man vielleicht sagen, die Musik der 80er Jahre und die neue deutsche
Welle.
7. Was hat euer Bandname für einen Ursprung und welche Bedeutung hat er für
euch?
K12:
Das ist furchtbar kompliziert gewesen. Erfolgreiche
Bands brauchen im Namen hinten eine Zahl (z.B. Blink 182, UB40, Eiffel 65,
Maroon 5, U2, US 5, Jackson 5) - soviel war uns klar. Für die 12 haben wir uns
entschieden, da keine Zahl kleiner als 12 mehr Teiler hat. Außerdem ist 12 die
dreidimensionale Kusszahl, da man 12 gleich große Kugeln um eine weitere Kugel
gleicher Größe legen kann, sodass alle diese berühren, aber keine
überschneidungen auftreten. Musikalisch passte uns die Zwölf auch ganz gut, da
wir uns stilistisch darauf geeinigt haben, aus Bequemlichkeitsgründen nur die
12 Töne der abendländischen Musik zu nutzen. Bei "Keller12" müssen wir auch
manchmal an unseren ersten Proberaum denken, der sich im Untergeschoss hinter
einer Tür mit der Nummer Zwölf befand.
8. Worum handeln eure Lyrics? Gibt es jemanden in der Band, der die
Songtexte schreibt oder macht ihr das zusammen? Und was inspiriert euch beim
Schreiben?
K12:
Die Texte handeln von diesem und jenem, vom echten
Leben halt. Vom Teppicheinkauf, dem Gefühl wenn man in der Früh aufsteht, wenn
man Power hat, etc. Oft schreibt Martin die Texte, aber auch Günther versucht
sich von Zeit zu Zeit im Texten. Das merkt man meist daran, wenn es wieder
recht "reimig" wird.
9. Wie entstehen die Lieder: beim "Jamen" als Gruppe oder wird die Musik
von jemanden aus der Band entwickelt?
K12:
Unterschiedlich. Es gibt beide Wege, aber meist
arbeiten wir zusammen daran und weil das alles basisdemokratisch geschieht,
dauert das oft ewig...
Trotzdem: Zusammen "aus dem Bauch heraus" ist irgendwie
direkter, ehrlicher und interaktiver. Außerdem will ja jeder von uns was
Eigenes beitragen und nicht einfach nur die Linien spielen, die ein anderer
vorgibt. Da könnte man ja gleich covern!
10. Spielt ihr bei euren Auftritten auch Cover-Versionen von bekannten
Songs? Wenn ja, welche Songs/Künstler covert ihr am liebsten?
K12:
Wir haben bis jetzt noch nie einen Coversong öffentlich
gespielt. Wir haben ja schon genug damit zu tun, unsere eigenen Stücke
nachzuspielen. :-) Wenn wir einen Song covern würden, müsste der Autor ja schon
70 Jahre tot sein, der Titel Volksgut sein oder unter Creative-Commons-License
verfügbar sein.
11. Gebt Ihr regelmäßig oder eher unregelmäßig Konzerte? Wann und wo spielt
Ihr als nächstes? Was bedeutet es für euch auf der Bühne zu stehen?
K12:
Wir geben sehr unregelmäßig Konzerte, vielleicht 2-3
mal pro Jahr. Da wir uns alle, außer dem Schlagzeuger :o), damit abgefunden
haben, keine Rockstars zu werden, ist das auch okay so. Im Moment steht auch
nichts an, aber spätestens wenn wir unsere neue CD fertig haben, werden wir die
natürlich in einem entsprechenden Rahmen vorstellen. Vielleicht ergibt sich ja
auch schon davor etwas, mal sehen. Richtig um Auftritte bemüht haben wir uns
eigentlich noch nie.
12. Vor wie vielen Zuschauern spielt ihr im Durchschnitt und was war bisher
euer größtes Konzert?
K12:
Das waren bis jetzt eher kleine Sachen, vielleicht
maximal 200 Zuhörer. Für uns war das "größte" die CD-Präsentation im Laab 2008,
einer Kneipe in München. Die meisten Zuhörer hatten wir vermutlich beim
StuStaCulum 2009 (Deutschlands größtes von Studenten organisiertes Theater- und
Musikfestival).
13. Was ist das bisher beste Erlebnis, das ihr als Band hattet?
K12:
Das schönste Erlebnis als Band war unsere CD-Release-Party
im Laab.
14. Auf welches Ereignis seid Ihr als Band bisher am wenigsten vorbereitet
gewesen?
MH:
Ob wir 500 oder 1000 CDs produzieren sollen. Der
Leerhüllenpreis bei Saturn hat uns dann überzeugt (bzw. mich) :-).
ML:
Auf diese Frage.
GS:
Auf die Betreuerin beim StuStaCulum.
15. Auf was seid Ihr als Band am meisten stolz? (Das kann ein Song, ein
Album, ein Ereignis etc. sein)
IB:
Am meisten Stolz bin ich auf unseren Auftritt beim
StuStaCulum, der dann trotz meiner hohen Erwartungen recht unorganisiert und
enttäuschend war.
MH:
Dass das Gemälde mit der lesenden Frau bis jetzt bei
jedem Konzert dabei war. Das ist sozusagen unser guter Geist.
ML:
Dass es die Band noch gibt.
GS:
Auf das "kochfest" cover.
16. Gibt es ein Lied, das für euch musikalisch oder wegen der Lyrics eine
besondere Bedeutung für euch hat?
IB:
Mein Favorit ist und bleibt "Move" - da geht einfach
die Post ab, da steppt der Bär, da tanzt der Wolf, usw...
MH:
Jedes Lied. Jedes hat seine Geschichte und seinen Kampf
bzw. Abstimmungsprozess innerhalb einer Basisdemokratie durchlaufen und ist
somit mit dem Prädikat "besonders wertvoll" auszuzeichnen.
ML:
Für mich ist das "Fenstergötter". Weil ich mir erst
Jahre später habe erklären lassen müssen, worum es in dem Text eigentlich geht!
GS:
Ich bin ja quasi "Der untersetzte Elektriker"!
17. Eurer Bandinfo entnehme ich, dass in den letzten acht Jahren schon
mehrere Sänger/innen zur Band gehörten. Welchen Einfluss hat der ständige
Wechsel der Sänger/innen auf eure Kreativität? Welchen Einfluss hat dieser
Wechsel auf euren Stil?
MH:
In einer 5-köpfigen Band (mit Basisdemokratie) ist das
halt eine Veränderung der Kreativität jeweils um 1/5. Unser Stil hat gewonnen!
ML:
Auffällig ist, dass sich jeder anfänglich besonders
bemüht gut zu spielen. Man will sich ja nicht blamieren, wenn eine neue, noch
fremde Person zur Band stößt. (Das hat sich aber immer sehr schell wieder
gelegt :-)) Außer, dass wir bereits bestehende Songs der Tonlage des jeweiligen
Gesangskünstlers angepasst haben, hat sich an unserer Musik durch einen Wechsel
des Gesangs nichts verändert. Die Zeit und der lange Kampf eine Person zu
finden, die zu uns passt, waren es vielleicht, die unseren Stil gefestigt
haben. Da der Gesang in der Popmusik eine wichtige Rolle spielt, kann man
natürlich auch sagen, dass die Isabella einen positiven Einfluss auf die Güte
der Songs genommen hat.
Wenn unsere Kreativität mit der Fluktuation der Sänger
zu tun hätte, wäre das sehr traurig. "Keine Ideen mehr? Wir brauchen eine neue
Sängerin!" - Nein, so war das hoffentlich nie! Wir wünschen uns alle, dass
unsere Suche mit der Isabella ein Ende gefunden hat.
18. Seit wann ist Isabella eure Leadsängerin und wie ist es zu dieser Zusammenarbeit
gekommen?
K12:
Isabella ist jetzt seit Januar 2008 dabei. Sie hat sich
auf unsere damalige Anzeige gemeldet, in der wir eine neue Sängerin gesucht
haben. Wir hatten auf Anhieb das Gefühl, dass wir alle auf einer Wellenlänge
sind. Lustigerweise melden sich immer noch Mädels auf unsere Anzeige, weil die
noch irgendwo im Internet zu finden ist. Derzeit ist das allerdings zwecklos.
:o)
IB:
Seit ich vor ca. 2 1/2 Jahren von Mannheim nach München
kam, war es für mich ganz klar hier eine neue Band zu finden. Relativ schnell
und unkompliziert fand ich zu "Keller12" und es hat auf Anhieb geklappt. Trotz
leichtem "Monnemer" Dialekt haben die Jungs mich aufgenommen, und ich bin froh
dabei zu sein!
19. Wie ist euer Album "kochfest" entstanden? Wie viel Zeit habt ihr in
die Entstehung gesteckt? Welche Bedeutung hat der Titel für euch? Plant ihr ein
weiteres Album und wann soll es fertig gestellt sein?
K12:
Da wir aus Erfahrung wissen, wie schnell sich Bands
auflösen, wollten wir sicherheitshalber bald eine CD, insbesondere für uns
selbst machen, um sie später stolz unseren Enkeln mit den Worten "Schau mal,
wie cool der Opa früher war", geben zu können. Die ersten Aufnahmen für "kochfest"
wurden deshalb bereits Mitte 2005 gemacht. Unser Keyboarder, der das berühmte
Studio, in dem schon die Beatles aufgenommen haben, mit Namen kennt, nahm sich
der Produktion an. Einige Stücke funktionierten von Anfang an, andere wiederum
reiften erst im Studio. Wichtig war uns dabei, dass nur Sounds und Linien
verwenden werden, die wir auch mit unseren Instrumenten live spielen.
Irgendetwas in Konzerten automatisch mitlaufen zu lassen, finden wir nicht so
prickelnd.
MH:
"kochfest" umfasst Lieder aus mehreren Jahren.
Dementsprechend viel Zeit haben wir rein gesteckt. Eigentlich haben wir
versucht, die besten Ideen zu konservieren, nein, die besten Ideen sind ja
immer in den Jams verborgen, bei denen die Aufnahme nicht mitläuft..., na
jedenfalls haben wir Material gesammelt, ausgearbeitet und verfeinert. Der
Titel ist eine Anspielung auf den "Titelhelden" und hat ansonsten keine
Bedeutung. Oder doch? Ein weiteres Album ist gerade im Entstehen und ist fertig
wenn wir so 12, 13 Songs fertig eingespielt und das Geld für die
Vervielfältigung haben.
20. Welchen Einfluss hat der normale Berufsalltag auf das Bandleben?
MH:
Da wir immer nur sonntags spielen und selten Konzerte
geben, hat das Berufsleben weniger Einfluss. Ich würde sagen, dass die weiteren
Lebensumstände der Bandmitglieder (Kinder, Umzug ins Grüne, etc.) und
gesellschaftliche Entwicklungen wie z.B. das Rauchverbot mehr Einfluss nehmen.
ML:
Muss es nicht eher heißen: "Welchen Einfluss hat das
Bandleben auf den normalen Berufsalltag?". Zwei von uns können montags
ausschlafen. Für die ist es gut, dass wir uns immer Sonntagabend im Proberaum
treffen. :-)
21. Wer hatte die Idee einen "Remix"-Aufruf für euren Song "Allgemeingut"
zu veranstalten und wollt ihr damit irgendein Zeichen setzen? Wie ist die
Resonanz bisher ausgefallen und wann können die eingereichten Stücke angehört
werden?
K12:
Eigentlich wollte unser Keyboarder, der immer unsere
Aufnahmen produziert, nur Arbeit abgeben. Er hatte lange Zeit einfach keine
Lust "Allgemeingut" zu Ende zu mischen. Doch der Rest der Band hat sich bis
heute von dem Remix-Aufruf nicht angesprochen gefühlt. Sonst übrigens auch noch
niemand. Aber das Versprechen gilt noch, dass wir so ziemlich alle Remixe mit
auf unser neues Album nehmen, die rechtzeitig bei uns eintreffen. Dass die
Aussage des Songs irgendwie dazu passt, und dass wir auch kein wirklicher
Freund der GEMA sind - Das kann nur ein Zufall sein.
22. Was plant Ihr als Band für die Zukunft?
K12:
Neben der Fertigstellung des zweiten Albums können wir
da nur unsere Bandinfo auf unserer Homepage zitieren: "Für die Zukunft planen
wir erstmal auch weiterhin Sonntagabend viel zu reden und doch nichts zu sagen
und dabei auch noch ein bisschen Musik zu machen. Und vielleicht, ja vielleicht
werden wir auch noch ein paar Konzerte bestreiten..."
MH:
Sonntags treffen, reden, Bier trinken, rauchen (leider
draußen), Musik machen, dem Schlagzeuger beim philosophieren zuhören - ja und
vielleicht ein paar neue Songs machen.
23. Wollt ihr noch irgendwas über euch oder eure Band loswerden, was die
Leute wissen oder erfahren sollten?
K12:
Ja, wir würden uns sehr über Feedback im Gästebuch
unsere Homepage (www.keller12.de) freuen.