Stu Nicholls | CSSplay | Professional series #9
Keller12 - Deutsche Elektro-Rock Punk-Pop Formation*
*Live und ohne Sequenzerunterstützung
Stu Nicholls | CSSplay | Professional series #9

Fragen an die Band "Keller12"
gefragt im April 2010 von www.cultureload.de


1. Wie ist "Keller12" entstanden und wie lange gibt es euch als Band schon?

K12:

Oje, Jahreszahlen... Das muss wohl ungefähr 2002 gewesen sein, als wir uns nach vielen Jahren ohne miteinander Kontakt gehabt zu haben, zufällig auf einer Party wieder gesehen haben. Da alle fanden, dass man sich ja jetzt wieder öfter treffen könnte, tat man dies dann auch in einem Proberaum, zu dem unser Keyboarder Zugang hatte. Dort lag es natürlich auch nahe, die Musikinstrumente in die Hand zu nehmen.

2. Eurer Bandinfo entnehme ich, dass Ihr euch schon seit Eurer Kindheit kennt. Spielte die Musik schon in den Anfangstagen Eurer Freundschaft eine wichtige Rolle? Wenn ja, welche? Oder hat sich die Bedeutung der Musik für Eure Freundschaft erst im Laufe der Zeit entwickelt?

K12:

Naja, ein paar von uns kennen sich ja schon aus dem Sandkasten. Damals hat die Musik sicher keine Rolle gespielt. Mittlerweile hat sich die Band zu einer Institution entwickelt, die Kumpels regelmäßig zu treffen. (Sonst würde man sich viel seltener sehen.)

3. Seid Ihr vor der Gründung von "Keller12" schon einmal in dieser oder ähnlicher Kombination als Band aktiv gewesen?

K12:

Es gab während der Schulzeit einige Projekte, bei denen wir schon zusammen Musik gemacht haben, z.B. die Bands "Red Rooster" und "Pasty Noise". Joe und Martin haben später außerdem noch im Projekt "Vroom" zusammen gespielt.

4. Wie alt seid Ihr und seit wann spielt Ihr eure Instrumente?

K12:

Unser Alter ist schwer zu bestimmen, da es stetig zunimmt, und das hoffentlich noch lange. Auf unsere Sängerin trifft das natürlich nicht zu, die bleibt "für immer jung" :o)

IB:

Ich singe schon seit ich mich erinnern kann. Mit 5 habe ich meiner Mama stolz eine Opernversion von "Maikäfer flieg" geträllert, die sie schrecklich fand. Von da an hab ich der klassischen Musik den Rücken gekehrt und mich auf die Rock und Pop Seite geschlagen.

ML:

Ich hab zum ersten Mal mit 5 an einer Heimorgel rumgedrückt. Mit 12 hab ich dann 5 Jahre Unterricht "genossen".

MH:

Ich hab Probleme mit Jahreszahlen, hab aber recht früh mit Akkordeon angefangen. Bass spiele ich seit ich 14 bin und später habe ich dann zur Gitarre gegriffen.

GS:

Alt genug! Und ich habe schon als Säugling auf Töpfe getrommelt.

5. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

K12:

Für einen Auftritt haben wir es mal so probiert: "Verstört durch ihre pubertäre Punk-Phase und geprägt durch den Sound der 80er verarbeitet die Band auch das mit wachsendem Alter einhergehende Harmoniebedürfnis in ihrem deutschsprachigen Musikmix. Das laute Schlagzeug ist dem ohrenschonenden E-Drumset gewichen, die E-Gitarre kommt ohne Marshalltürme aus, doch eins ist geblieben: Die Kombination aus Power, viel Witz und Spaß an der Musik!"

MH:

Elektro-Rock Punk-Pop Musik mit deutschen Texten.

ML:

Deutsche Texte, elektronische Klänge, kombiniert mit rockigen Saiteninstrumenten, "punkig" vorgetragen, verpackt in glatte Pop-Arrangements. Aber manchmal halt auch nicht!

6. Welche Bands oder Künstler haben Einfluss auf eure Musik?

K12:

Bewusst niemand, unbewusst wahrscheinlich alle, die wir je in unserem Leben auch nur einmal aus Versehen gehört haben. Am ehesten könnte man vielleicht sagen, die Musik der 80er Jahre und die neue deutsche Welle.

7. Was hat euer Bandname für einen Ursprung und welche Bedeutung hat er für euch?

K12:

Das ist furchtbar kompliziert gewesen. Erfolgreiche Bands brauchen im Namen hinten eine Zahl (z.B. Blink 182, UB40, Eiffel 65, Maroon 5, U2, US 5, Jackson 5) - soviel war uns klar. Für die 12 haben wir uns entschieden, da keine Zahl kleiner als 12 mehr Teiler hat. Außerdem ist 12 die dreidimensionale Kusszahl, da man 12 gleich große Kugeln um eine weitere Kugel gleicher Größe legen kann, sodass alle diese berühren, aber keine überschneidungen auftreten. Musikalisch passte uns die Zwölf auch ganz gut, da wir uns stilistisch darauf geeinigt haben, aus Bequemlichkeitsgründen nur die 12 Töne der abendländischen Musik zu nutzen. Bei "Keller12" müssen wir auch manchmal an unseren ersten Proberaum denken, der sich im Untergeschoss hinter einer Tür mit der Nummer Zwölf befand.

8. Worum handeln eure Lyrics? Gibt es jemanden in der Band, der die Songtexte schreibt oder macht ihr das zusammen? Und was inspiriert euch beim Schreiben?

K12:

Die Texte handeln von diesem und jenem, vom echten Leben halt. Vom Teppicheinkauf, dem Gefühl wenn man in der Früh aufsteht, wenn man Power hat, etc. Oft schreibt Martin die Texte, aber auch Günther versucht sich von Zeit zu Zeit im Texten. Das merkt man meist daran, wenn es wieder recht "reimig" wird.

9. Wie entstehen die Lieder: beim "Jamen" als Gruppe oder wird die Musik von jemanden aus der Band entwickelt?

K12:

Unterschiedlich. Es gibt beide Wege, aber meist arbeiten wir zusammen daran und weil das alles basisdemokratisch geschieht, dauert das oft ewig...

Trotzdem: Zusammen "aus dem Bauch heraus" ist irgendwie direkter, ehrlicher und interaktiver. Außerdem will ja jeder von uns was Eigenes beitragen und nicht einfach nur die Linien spielen, die ein anderer vorgibt. Da könnte man ja gleich covern!

10. Spielt ihr bei euren Auftritten auch Cover-Versionen von bekannten Songs? Wenn ja, welche Songs/Künstler covert ihr am liebsten?

K12:

Wir haben bis jetzt noch nie einen Coversong öffentlich gespielt. Wir haben ja schon genug damit zu tun, unsere eigenen Stücke nachzuspielen. :-) Wenn wir einen Song covern würden, müsste der Autor ja schon 70 Jahre tot sein, der Titel Volksgut sein oder unter Creative-Commons-License verfügbar sein.

11. Gebt Ihr regelmäßig oder eher unregelmäßig Konzerte? Wann und wo spielt Ihr als nächstes? Was bedeutet es für euch auf der Bühne zu stehen?

K12:

Wir geben sehr unregelmäßig Konzerte, vielleicht 2-3 mal pro Jahr. Da wir uns alle, außer dem Schlagzeuger :o), damit abgefunden haben, keine Rockstars zu werden, ist das auch okay so. Im Moment steht auch nichts an, aber spätestens wenn wir unsere neue CD fertig haben, werden wir die natürlich in einem entsprechenden Rahmen vorstellen. Vielleicht ergibt sich ja auch schon davor etwas, mal sehen. Richtig um Auftritte bemüht haben wir uns eigentlich noch nie.

12. Vor wie vielen Zuschauern spielt ihr im Durchschnitt und was war bisher euer größtes Konzert?

K12:

Das waren bis jetzt eher kleine Sachen, vielleicht maximal 200 Zuhörer. Für uns war das "größte" die CD-Präsentation im Laab 2008, einer Kneipe in München. Die meisten Zuhörer hatten wir vermutlich beim StuStaCulum 2009 (Deutschlands größtes von Studenten organisiertes Theater- und Musikfestival).

13. Was ist das bisher beste Erlebnis, das ihr als Band hattet?

K12:

Das schönste Erlebnis als Band war unsere CD-Release-Party im Laab.

14. Auf welches Ereignis seid Ihr als Band bisher am wenigsten vorbereitet gewesen?

MH:

Ob wir 500 oder 1000 CDs produzieren sollen. Der Leerhüllenpreis bei Saturn hat uns dann überzeugt (bzw. mich) :-).

ML:

Auf diese Frage.

GS:

Auf die Betreuerin beim StuStaCulum.

15. Auf was seid Ihr als Band am meisten stolz? (Das kann ein Song, ein Album, ein Ereignis etc. sein)

IB:

Am meisten Stolz bin ich auf unseren Auftritt beim StuStaCulum, der dann trotz meiner hohen Erwartungen recht unorganisiert und enttäuschend war.

MH:

Dass das Gemälde mit der lesenden Frau bis jetzt bei jedem Konzert dabei war. Das ist sozusagen unser guter Geist.

ML:

Dass es die Band noch gibt.

GS:

Auf das "kochfest" cover.

16. Gibt es ein Lied, das für euch musikalisch oder wegen der Lyrics eine besondere Bedeutung für euch hat?

IB:

Mein Favorit ist und bleibt "Move" - da geht einfach die Post ab, da steppt der Bär, da tanzt der Wolf, usw...

MH:

Jedes Lied. Jedes hat seine Geschichte und seinen Kampf bzw. Abstimmungsprozess innerhalb einer Basisdemokratie durchlaufen und ist somit mit dem Prädikat "besonders wertvoll" auszuzeichnen.

ML:

Für mich ist das "Fenstergötter". Weil ich mir erst Jahre später habe erklären lassen müssen, worum es in dem Text eigentlich geht!

GS:

Ich bin ja quasi "Der untersetzte Elektriker"!

17. Eurer Bandinfo entnehme ich, dass in den letzten acht Jahren schon mehrere Sänger/innen zur Band gehörten. Welchen Einfluss hat der ständige Wechsel der Sänger/innen auf eure Kreativität? Welchen Einfluss hat dieser Wechsel auf euren Stil?

MH:

In einer 5-köpfigen Band (mit Basisdemokratie) ist das halt eine Veränderung der Kreativität jeweils um 1/5. Unser Stil hat gewonnen!

ML:

Auffällig ist, dass sich jeder anfänglich besonders bemüht gut zu spielen. Man will sich ja nicht blamieren, wenn eine neue, noch fremde Person zur Band stößt. (Das hat sich aber immer sehr schell wieder gelegt :-)) Außer, dass wir bereits bestehende Songs der Tonlage des jeweiligen Gesangskünstlers angepasst haben, hat sich an unserer Musik durch einen Wechsel des Gesangs nichts verändert. Die Zeit und der lange Kampf eine Person zu finden, die zu uns passt, waren es vielleicht, die unseren Stil gefestigt haben. Da der Gesang in der Popmusik eine wichtige Rolle spielt, kann man natürlich auch sagen, dass die Isabella einen positiven Einfluss auf die Güte der Songs genommen hat.

Wenn unsere Kreativität mit der Fluktuation der Sänger zu tun hätte, wäre das sehr traurig. "Keine Ideen mehr? Wir brauchen eine neue Sängerin!" - Nein, so war das hoffentlich nie! Wir wünschen uns alle, dass unsere Suche mit der Isabella ein Ende gefunden hat.

18. Seit wann ist Isabella eure Leadsängerin und wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

K12:

Isabella ist jetzt seit Januar 2008 dabei. Sie hat sich auf unsere damalige Anzeige gemeldet, in der wir eine neue Sängerin gesucht haben. Wir hatten auf Anhieb das Gefühl, dass wir alle auf einer Wellenlänge sind. Lustigerweise melden sich immer noch Mädels auf unsere Anzeige, weil die noch irgendwo im Internet zu finden ist. Derzeit ist das allerdings zwecklos. :o)

IB:

Seit ich vor ca. 2 1/2 Jahren von Mannheim nach München kam, war es für mich ganz klar hier eine neue Band zu finden. Relativ schnell und unkompliziert fand ich zu "Keller12" und es hat auf Anhieb geklappt. Trotz leichtem "Monnemer" Dialekt haben die Jungs mich aufgenommen, und ich bin froh dabei zu sein!

19. Wie ist euer Album "kochfest" entstanden? Wie viel Zeit habt ihr in die Entstehung gesteckt? Welche Bedeutung hat der Titel für euch? Plant ihr ein weiteres Album und wann soll es fertig gestellt sein?

K12:

Da wir aus Erfahrung wissen, wie schnell sich Bands auflösen, wollten wir sicherheitshalber bald eine CD, insbesondere für uns selbst machen, um sie später stolz unseren Enkeln mit den Worten "Schau mal, wie cool der Opa früher war", geben zu können. Die ersten Aufnahmen für "kochfest" wurden deshalb bereits Mitte 2005 gemacht. Unser Keyboarder, der das berühmte Studio, in dem schon die Beatles aufgenommen haben, mit Namen kennt, nahm sich der Produktion an. Einige Stücke funktionierten von Anfang an, andere wiederum reiften erst im Studio. Wichtig war uns dabei, dass nur Sounds und Linien verwenden werden, die wir auch mit unseren Instrumenten live spielen. Irgendetwas in Konzerten automatisch mitlaufen zu lassen, finden wir nicht so prickelnd.

MH:

"kochfest" umfasst Lieder aus mehreren Jahren. Dementsprechend viel Zeit haben wir rein gesteckt. Eigentlich haben wir versucht, die besten Ideen zu konservieren, nein, die besten Ideen sind ja immer in den Jams verborgen, bei denen die Aufnahme nicht mitläuft..., na jedenfalls haben wir Material gesammelt, ausgearbeitet und verfeinert. Der Titel ist eine Anspielung auf den "Titelhelden" und hat ansonsten keine Bedeutung. Oder doch? Ein weiteres Album ist gerade im Entstehen und ist fertig wenn wir so 12, 13 Songs fertig eingespielt und das Geld für die Vervielfältigung haben.

20. Welchen Einfluss hat der normale Berufsalltag auf das Bandleben?

MH:

Da wir immer nur sonntags spielen und selten Konzerte geben, hat das Berufsleben weniger Einfluss. Ich würde sagen, dass die weiteren Lebensumstände der Bandmitglieder (Kinder, Umzug ins Grüne, etc.) und gesellschaftliche Entwicklungen wie z.B. das Rauchverbot mehr Einfluss nehmen.

ML:

Muss es nicht eher heißen: "Welchen Einfluss hat das Bandleben auf den normalen Berufsalltag?". Zwei von uns können montags ausschlafen. Für die ist es gut, dass wir uns immer Sonntagabend im Proberaum treffen. :-)

21. Wer hatte die Idee einen "Remix"-Aufruf für euren Song "Allgemeingut" zu veranstalten und wollt ihr damit irgendein Zeichen setzen? Wie ist die Resonanz bisher ausgefallen und wann können die eingereichten Stücke angehört werden?

K12:

Eigentlich wollte unser Keyboarder, der immer unsere Aufnahmen produziert, nur Arbeit abgeben. Er hatte lange Zeit einfach keine Lust "Allgemeingut" zu Ende zu mischen. Doch der Rest der Band hat sich bis heute von dem Remix-Aufruf nicht angesprochen gefühlt. Sonst übrigens auch noch niemand. Aber das Versprechen gilt noch, dass wir so ziemlich alle Remixe mit auf unser neues Album nehmen, die rechtzeitig bei uns eintreffen. Dass die Aussage des Songs irgendwie dazu passt, und dass wir auch kein wirklicher Freund der GEMA sind - Das kann nur ein Zufall sein.

22. Was plant Ihr als Band für die Zukunft?

K12:

Neben der Fertigstellung des zweiten Albums können wir da nur unsere Bandinfo auf unserer Homepage zitieren: "Für die Zukunft planen wir erstmal auch weiterhin Sonntagabend viel zu reden und doch nichts zu sagen und dabei auch noch ein bisschen Musik zu machen. Und vielleicht, ja vielleicht werden wir auch noch ein paar Konzerte bestreiten..."

MH:

Sonntags treffen, reden, Bier trinken, rauchen (leider draußen), Musik machen, dem Schlagzeuger beim philosophieren zuhören - ja und vielleicht ein paar neue Songs machen.

23. Wollt ihr noch irgendwas über euch oder eure Band loswerden, was die Leute wissen oder erfahren sollten?

K12:

Ja, wir würden uns sehr über Feedback im Gästebuch unsere Homepage (www.keller12.de) freuen.

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